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„Bonzos Auge“ - ein spannender Vortrag über die Spurensuche von Dr. Friedländer

Am Mittwoch, dem 10.September 2025 durften zwei Geschichtskurse aus der Q1 Geschichte live erleben. Herr Dr. Friedländer war zu Besuch an der GBM und hielt einen spannenden Gastvortrag über das Leben seiner Familienangehörigen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Herr Dr. Friedländer wurde 1949 geboren und wuchs in der DDR in Ostberlin auf. Er setzte sich nach dem Tod seines Vaters ausführlich mit seiner Familiengeschichte auseinander und begab sich auch auf die Suche nach Familienmitgliedern und Verwandten. Über seine Spurensuche schrieb er das Buch „Bonzos Auge“, in das wir nun spannende Einblicke bekamen.

Nachdem er vom mysteriösen Tod seines Groẞonkels erfuhr, brachte ihn seine Spurensuche unter anderem ins Ruhrgebiet. Dieser wurde am 08.Januar 1937 tot im Kanal in Waltrop aufgefunden. Ungereimtheiten bezüglich der Todesursache und der Umstände brachten Dr. Friedländer dazu weiterzuforschen. Er fand heraus, dass es sich bei seinem Tod keineswegs gesichert um einen Suizid handelte. Im Rahmen seines Besuchs im Ruhrgebiet besuchte Dr. Friedländer auch das Grab seines Großonkels. Zudem berichtete Dr. Friedländer über das Leben seines Vaters in der Zeit des Nationalsozialismus. Sein Vater trug den Spitznamen nach einer Comicfigur „Bonzo“, wonach er schließlich auch sein Buch benannte. Bonzo wuchs in den 1920er Jahren in Berlin zunächst bei seinen Großeltern und dann später in einem Waisenhaus auf. Er kam in linke Kreise und schaffte es, durch Glück mit dem letzten Zug nach London vor den Nazis zu fliehen. Von England aus wurde er als „Ausländer“ direkt nach kurzer Zeit weiter nach Australien interniert. 1947 kam er zurück nach Ostberlin. Er war Wirtschaftswissenschaftler und Funktionär in der DDR. Er sah allerdings nach einiger Zeit zunehmend schlechter und wurde dadurch depressiv, was dazu führte, dass er sich selbst das Leben nahm.

Herr Dr. Friedländer führte seine Spurensuche nicht nur zu uns ins Ruhrgebiet, sondern sogar bis nach Israel und Australien. Es gelang ihm sogar, zu einigen seiner Familienmitglieder Kontakt aufzunehmen. Darunter ist die Enkelin seines Großonkels, die den Kontakt sehr befürwortet. Es ist ihr wichtig, ihre Familiengeschichte zu kennen und diese an ihre Kinder weiterzugeben. Diese spannende Deutsch-jüdische Geschichte in der NS-Zeit und danach schrieb Dr. Friedländer in seinem Buch „Bonzos Auge“ auf. Das Buch ist in sämtlichen Buchhandlungen erhältlich.

Der Vortrag von Dr.Friedländer wurde sehr positiv und interessiert aufgenommen. Es war für alle eine tolle Erfahrung. Wir sind ihm sehr dankbar, dass er sich die Zeit genommen hat und uns von seiner Familiengeschichte und dem Wert der Demokratie berichtet hat.

Ein Bericht von Anna Maria Wortmann, Q1