Zum Inhalt springen

Respekt beginnt bei der Sprache – Warum wir achtsamer sprechen sollten

Wie wir sprechen, zeigt wer wir sind.
Unser Deutsch Leistungskurs von Frau Bechstedt der Q1 hat sich bewusst entschieden, über Sprache auf dem Schulhof zu berichten, weil sie ein fester Bestandteil unseres Alltags ist. Jeder von uns benutzt sie, verändert sie oder passt sie an, oft, ohne groß darüber nachzudenken.
Mit unserem Artikel wollen wir genau das ins Bewusstsein rücken: Sprache beeinflusst, wie wir miteinander umgehen, wie wir uns ausdrücken und verstanden werden, sie ist mehr als nur Worte, sie zeigt Zugehörigkeit und unsere persönliche Identität.
 

„Das war doch nur Spaß!“ , diesen Satz hört man oft, wenn Jugendliche sich gegenseitig mit Worten wie „Kanake“, „Jude“ oder „Opfer“ beleidigen. Viele meinen es vielleicht nicht böse, aber trotzdem kann so eine Sprache verletzend sein. Besonders in der Schule, wo wir jeden Tag mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen sind, ist es wichtig, wie wir miteinander umgehen. Und genau da spielt Sprache eine große Rolle. Die Frage ist also: Führt die unüberlegte Nutzung solch problematischer Begriffe in der Jugendsprache wirklich zu einem respektlosen Umgang an Schulen? Wenn man genauer hinschaut, dann zeigt sich: Ja, das tut sie. Und das sollte uns zu denken geben. Jugendsprache ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Sie verändert sich ständig und spiegelt die Lebenswelt von Jugendlichen wider. Neue Wörter, andere Ausdrücke, all das gehört zum natürlichen Sprachwandel dazu. Viele Sprachwissenschaftler sagen sogar, dass Jugendsprache eine kreative und wichtige Form des Ausdrucks ist. Sie dient dazu, sich von Erwachsenen abzugrenzen und sich in Gruppen zugehörig zu fühlen. Trotzdem gibt es darin auch Begriffe, die man kritisch betrachten muss. Einige von ihnen stammen aus rassistischen oder diskriminierenden Zusammenhängen. Wörter wie „Neger“ oder „Kanake“ haben ihren Ursprung aus Zeiten von Kolonialismus und Ausgrenzung. Wenn solche Begriffe heute einfach so benutzt werden, ohne über ihre Herkunft nachzudenken, können sie andere Menschen verletzen und Vorurteile weiterverbreiten. Auch scheinbar harmlose Ausdrücke wie „Du wirfst wie ein Mädchen“ fördern alte Rollenbilder und können das Selbstbild von Jugendlichen negativ beeinflussen. Sprache ist mächtig. Auch wenn etwas „nicht so gemeint“ ist, kann es trotzdem eine Wirkung haben. Worte transportieren Werte und Haltungen, oft unbewusst. Wenn beispielsweise „Jude“ auf dem Schulhof als Schimpfwort verwendet wird, steckt dahinter, auch wenn es viele nicht wissen, eine lange Geschichte von Antisemitismus. Es reicht also nicht zu sagen, dass man es nicht böse meint. Man sollte wissen, was man sagt, und sich bewusst machen, welche Wirkung es auf andere haben kann. Oft geschieht die Verwendung solcher Begriffe auch aus Gruppenzwang oder dem Wunsch, dazuzugehören. Dabei wird vergessen, dass sie echte Menschen treffen können. Studien zeigen, dass sich durch den häufigen Gebrauch von Beleidigungen eine immer aggressivere Sprache entwickelt. Viele Lehrer:innen berichten, dass verbale Angriffe an Schulen zunehmen, besonders im Internet, wo Menschen oft anonym bleiben. Cybermobbing ist keine Seltenheit mehr. Der Psychologe Prof. Bauer sagt: Sprache ist eine Art „Probe-Handeln“. Wer sich daran gewöhnt, mit Worten zu verletzen, verliert auch im echten Leben Hemmungen. Natürlich kann man nicht alles verbieten. Aber wir können anfangen, bewusster mit Sprache umzugehen. Es hilft schon, sich kurz zu fragen: „Was meine ich eigentlich genau mit diesem Wort?“ oder „Wie fühlt sich die andere Person, wenn ich das sage?“ Auch wenn es ungewohnt ist, kann man andere freundlich darauf hinweisen, wenn etwas verletzend klingt. Es ist selbstverständlich, dass niemand immer alles richtig sagt. Fehler im sprachlichen Umgang gehören zum Alltag. Entscheidend ist jedoch, wie wir damit umgehen. Wer erkennt, dass bestimmte Worte andere verletzen können, sollte daraus lernen und es in Zukunft besser machen. Lehrer:innen und ältere Schüler:innen können mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass man auch ohne Beleidigungen witzig und cool sein kann. Denn Respekt beginnt nicht erst beim Handeln, sondern beim Reden. Und wie wir miteinander sprechen, sagt viel darüber aus, wie wir miteinander umgehen wollen. Also lasst uns hinsehen, hinhören und im Zweifel lieber einmal zu viel nachdenken, bevor wir einfach mitreden.